Frühlingswind trotz eisiger Kälte

Jetzt könne man den Frühling herbei singen, so eröffnete Ulrich Kriehn seine Lesung im Bürgerhaus Jerichow angesichts des winterlichen Ausblicks auf die verschneiten Straßen. 

Ulrich KriehnUlrich Kriehn

Und die zahlreichen Zuhörer ließen es sich nicht verdrießen und stimmten unverzagt zur Gitarrenbegleitung alte traditionelle Frühlingslieder an, die den meisten noch von der Kindheit her vertraut waren.

Aber die Lesung begann mit einer unerwarteten literarischen Premiere: Yvette Below, die Vorsitzende des Heimat- und Fördervereins Jerichow, rezitierte ein eigenes Frühlingsgedicht, in dem in filigraner Sprache das Aufblühen der Natur und gleichzeitig die tiefe Heimatverbundenheit mit dem Ort Jerichow anschaulich geschildert wurden. Dann ging in einem weiten literarischen Reigen mit Theodor Storm in den Norden, mit Mörike und Uhland ins Schwabenland, mit Heinrich Heine in den Westen an den Rhein, alles Gedichte, in denen die Dichter vom Frühling und vom Aufbrechen der Natur gleichermaßen inspiriert zur Feder griffen. Nach einer sehr gemütlichen Kaffeepause, die von Christel Woitzik und Antje Merten mit Umsicht vorbereitet worden war, ging es dann zu eher „literarischer Höhenkamm-Literatur“, wie es Ulrich Kriehn nannte. Der Verfasser des „Jedermann“, der Österreicher Hugo von Hofmannsthal, war mit dem Gedicht „Vorfrühling“ vertreten, und dem Genius der deutschen Sprache, Johann Wolfgang von Goethe, waren gleich drei Texte gewidmet. Der „Osterspaziergang“ aus dem Faust I, einige trockene Betrachtungen von Goethe zum Aschermittwoch in Neapel auf seiner italienischen Reise und einem Ausschnitt aus den „Leiden des jungen Werthers“, der zwar auch im Frühling spielte, aber eher ein unerfreulicher Moment für Werther war. Zwischendurch erläuterte Ulrich Kriehn noch einiges, „Werther“ war sozusagen ein Kultbuch seiner Zeit mit Auswirkungen auf Mode und Alltagsgewohnheiten. Als Höhepunkt gab es noch etwas aus der Welt der Oper, einen Ausschnitt aus Wagners “Parsifal“, indem anhand des Karfreitagszaubers die Erneuerung der gesamten Natur besungen wird.

Danach wurde mit zwei besinnlichen Gedichten von Manfred Hausmann und dem gemeinsam gesungenen Lied „Nun will der Lenz uns grüßen“ die angenehme literarische Runde beendet, und die Zuhörer konnten sichtlich zufrieden sich wieder in das winterliche Jerichow hinausbewegen, in Erwartung des Frühlings.